Sexistische Kackscheiße

sexistisch-headerDas mit der Verunglimpfung von Bildern, Grafiken, Meinungen und Co. zu „sexistischer Kackscheiße“ funktioniert ja ganz einfach. Alles was die Frau oder den Mann vollkommen ohne Grund in sexuelle Darstellungen drängt, ohne dass sich ein Bezug herstellt, quasi nur das Objekt der Körperlichkeit über den Zusammenhang stellt, ist „sexistische Kackscheiße“.

Wäre obiges Bild eine Werbung für Wein, wäre es gewiss – in den Metropolen dieser Republik ist das so üblich – mit einem Aufkleber verziert, auf dem genau dieser martialische Ausdruck zu finden wäre: „Sexistische Kackscheiße“.

Zwar richtet sich diese Debatte offiziell gegen die objekthafte Darstellung von Mann und Frau als reines Sexobjekt, allerdings habe ich einen solchen Aufkleber noch nie auf einem nackten Manneskörper gesehen, der für den Heizunsinstallateurberuf wirbt. Oder wann wurde jemals Aufschrei geschrien, wenn der nackte Coca-Cola-Mensch die Automaten auffüllt? Wie immer wird mit zweierlei Maß gemessen und das macht diesen Ismus wieder so wahnsinnig glaubhaft.

Zurück zum obigen Bild. Wenn hier Wein verkauft werden würde, sicherlich könnte man andere Bildformen wählen, als eine Frau, die in ordentlich Lingerie eingewickelt lasziv mit einem Weinglas zum Bett wackelt.

Ja, man hätte auch ein Brot danebenlegen können. Oder irgendein beschissenes Stück Edelfleisch (dann hätte es wohl den Aufkleber gegen Fleischverzehr gegeben). Stattdessen zielen teure Wäsche, teures Glas und demnach teurer Wein auf ein luxuriöses Vergnügen hin. Dieser Wein ist etwas wertvolles. Er sagt nicht, trink Wein und alle Frauen wollen mit dir schlafen. Er sagt: Ich bin etwas exklusives, wie die Stunden, die bevorstehen. Etwas einzigartiges. Ich bin das richtige Getränk für diese Stimmung, für diese besondere Nacht.

Stellen Sie sich einfach mal die Wirkung des Bildes mit einer Pulle Bier in der Hand vor. Zack. Andere Wirkung. Oder eine Cola. Oder einem Tetraprack Apfelsaft. Oder stellen Sie sich die Stimmung vor, hätten sie für ein solches Motiv eine normale Frau genommen, statt eine 19-jährige mit glatter Haut (Photoshop) und perfekten Proportionen ohne Makel (obwohl das ja so eine Sache ist). Dann wäre der Wein als Sangria abgetan worden und hätte das edle Produkt verhunzt. So leid es mir tut.

Wissen Sie, was sexistisch ist? Werbung, in denen der Mann die Finanzplanung für die Familie entscheidet und sie bloß die dumme Gehilfin ist, die blöd guckt und ihm am Ende als Macher feiert. Werbung, in der der Mann Wäsche waschen soll und zu doof dafür ist, die Dosierkugel richtig anzuwenden. Oder beim Abwasch alles falsch macht, der Dussel. Wenn so Hausfrauen-Weiber im Hintergrund zusammenstehen und über die Fähigkeiten der Männer im Haushalt ablästern – da könnt ich mit einem Hatori-Hanzo-Schwert durchgehen vor Wut auf diesen geistigen Dünnpfiff. Könnt’sch kotzen.

Übrigens: Für dieses Männergedisse habe ich noch keinen Mann auf die Straße gehen sehen, der sich darüber aufregt, dass man ihm in so einem Licht darstellt. Respekt dafür.

Sollten mal einige drüber nachdenken.

 

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12 Gedanken zu “Sexistische Kackscheiße

  1. NVG schreibt:

    Das Problem mit „Sexistischer Kackscheiße“ ist und bleibt, dass einige wenige (durchaus auch manchmal mit guten Absichten) versuchen, ihre Meinung dazu allen anderen auf zu diktieren. Getreu dem Motto „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“ wird vollkommen ignoriert, dass nicht alle Frauen sich durch so etwas angegriffen fühlen und es womöglich sogar genießen, so gesehen zu werden, wie du beschrieben hast.
    (Ich bin männlich und würde gerne mal auf sexy Fotos von Frauen als Sexobjekt gesehen werden, nur leider wirkt das bei uns immer eher ziemlich lächerlich. ;))

  2. Auch die Frauen kommen ja bei diesem Hausfrauen-Ding beschissen weg, die sollten sich gegen das Bild genauso wehren. Ihr einziger Kompetenzbereich ist hier das Innere der Waschmaschine. Das finde ich so viel entwürdigender als einen nackten Arsch, weil es impliziert, dass die Frau nicht mehr zum Zustand der Welt beitragen kann als saubere Wäsche und glänzendes Geschirr. Und dabei könnte ICH kotzen.

    Danke für den Artikel.

    • m schreibt:

      „(…) weil es impliziert, dass die Frau nicht mehr zum Zustand der Welt beitragen kann als saubere Wäsche und glänzendes Geschirr.“

      Aber so ist es nunmal. Plus das gebären von Kindern. Mehr bringen Frauen tatsächlich nicht an den Tisch.Alles andere können Männer besser. Ein kurzer Blick in die Welt genügt um dies festzustellen. Tatsache.

  3. bfgcnb schreibt:

    Die unterschiedslose, mantraartige und institutionalisierte Verwendung dieses Ausdrucks dient meiner Ansicht nach zum einen der Selbstvergewisserung und Selbstindoktrination und soll andererseits nach außen eine besondere Sicherheit des Urteils suggerieren.
    Die Schlichtheit des Ausdrucks stellt sicher, dass er von allen verstanden wird, die Hemmungslosigkeit des Ausdrucks, dass er von niemandem ignoriert wird, die eklatante Infantilität aber, dass ihn die meisten ertragen und die Verwender nicht zur Ordnung gerufen werden.
    Die Unbestimmtheit, die Unvermitteltheit, die Monolithizität des Ausdrucks, die offensichtliche Kluft zwischen dem aufklärerisch-revolutionären Anspruch der Verwender und der azephalen Reflexartigkeit der Verwendung ist freilich auch ein wunderbares Mittel, die unbeteiligten Rezipienten dazu zu zwingen, selbst eine plausible Ideologie hinter den Worten zu konstruieren, um überhaupt etwas erwidern zu können. Der ideologische Konkurrent wird beschäftigt und arbeitet den Verwendern des Ausdrucks sogar zu, wenn er versucht, in einen Dialog zu treten. Bleibt der Ausdruck unerläutert, kann bei den Rezipienten der Eindruck entstehen, die Bewertung als sexistisch sei evident, abweichende Denkweisen stünden unter Rechtfertigungsdruck.
    Die institutionalisierte Verwendung stellt ferner sicher, dass Sticker mit dem einschlägigen Aufdruck günstig en gros zu haben sind.

    tl;dr
    Die kollektive Verwendung des Ausdrucks „Sexistische Kackscheiße“ ist ein Mittel der Verunsicherung und Einschüchterung, nicht der Aufklärung; wer die krasse Wortwahl stellvertretend zu rationalisieren versucht, leistet der Selbstentfremdung Vorschub.

  4. Wer glaubt, kein Mann würde sich über sexistische Darstellungen von Männern in der Werbung aufregen, hat die riesige Aufregung um diesen Nivea-Werbespot vor eineinhalb Jahren nicht mitbekommen:

    Und nein, das war nicht wegen dem ein bisschen trotteligen Onkel.

    • Nein, ich kann mich an die Aufregung nicht erinnern. Aber Nivea Werbungen sind anderes als die meisten. Sie fokussieren sich darauf, dass die Frau schön ist, und selbstständig sein kann. Aber ansonsten habe ich noch keinen Kerl gesehen, der sich über solche Darstellungen in der Werbung so aufregt

  5. Charly schreibt:

    Habt ihr euch denn schon mal ernsthaft mit Sexismus beschäftigt, oder findet ihr einfach nur den Aufkleber unpassend? Ich kann nachvollziehen, „sexistische Kackscheiße“ ist ein bisschen extrem ausgedrückt; ich würde diese Aufkleber auch nirgendwo hinkleben, es ist einfach ein bisschen unter die Gürtellinie – soll es ja auch sein, aber das regt eben nicht gerade zum Dialog an.

    Den Hinweis an sich, „hallo, Augen auf, musste das sein?!“ finde ich aber sehr wichtig und tatsächlich augen-öffnend. Anstatt es gleich abzuwerten kann man sich ja auch überlegen: Ist da nicht was dran? Denn, sorry, die Argumentation dass teurer Wein „nur so“ beworben werden kann um die Qualität herauszustellen finde ich nicht überzeugend. Den Werbemenschen wäre da sicher auch etwas anderes eingefallen, die sind doch sonst fantastisch kreativ.

    Außerdem ist auch die Frage: Wieso ein nackter Frauenhintern, und kein nackter Männerhintern? Denn erstaunlich oft finden wir es okay, Frauen übererotisiert dargestellt zu sehen, während Männer in den gleichen/vergleichbaren Posen lächerlich wirken. Und ja, es gibt auch nackte Männer – aber WESENTLICH mehr nackte Frauen, als nackte Männer, auf den Plakaten zu sehen. Warum? Weil die Frau auf dem Bild mehr Sexualobjekt ist als ein Mensch? Und will ich wirklich jeden Tag von zig Sexualobjekten meines Geschlechts auf Werbetafeln umgeben sein? Eigentlich – nein!

    Und zum Schluss noch: Auch wenn diese Aufkleber etwas plakativ sind, kann auf keinen Fall davon gesprochen werden, dass hier irgendjemand eine Meinung aufgedrückt wird. Gender-Equality ist keine „Meinung“ – Gender-Equality ist ein menschenrechtlich verankerter Grundsatz, der uns alle angeht. Denn genauso wie es heute für uns selbstverständlich ist, das Frauen wählen gehen, arbeiten gehen oder ihren Wohnsitz selbst bestimmen dürfen, sollte es in Zukunft selbstverständlich sein, dass der menschliche Körper – männlich und weiblich – mit Respekt dargestellt wird, nicht als Begierdeobjekt männlicher Zuschauer. Und ja – das ist natürlich nur ein kleiner Teil der Themen, um die es bei dem Thema Gender geht, aber gerade Medien und Werbung sind ein nicht zu verachtender Einfluss auf unsere Gesellschaft. Und deswegen, finde ich, kann man da prima mal anfangen und sagen: Das ist sexistisch.

    • Wissen Sie, was mich daran stört?

      …sollte es in Zukunft selbstverständlich sein, dass der menschliche Körper – männlich und weiblich – mit Respekt dargestellt wird, nicht als Begierdeobjekt männlicher Zuschauer

      Dass wieder normativ-akademisch Denkende darüber entscheiden wollen, was respektvolle, geschlechtliche Darstellung ist und was nicht. Eine handvoll Menschen entscheiden über Rollenbilder für eine Mehrzahl an Menschen, die sich für Gender nicht mal ansatzweise interessieren oder es für essentiell bedeutsam halten.

      Und noch ein Wort zur Begierde: Ich als Frau bin für den Mann, für den ich mich entscheide, sehr gerne Begierdeobjekt. Und Millionen anderer Frauen auch dann und wann. Von daher sind in jeder transportierten Geschlechterrolle auch haufenweise Realitäten enthalten, die man vielleicht in seiner Normierungswut gerne terminieren zu wünschen sucht.

      Wir können uns darauf einigen, dass es dämliche Reklame mit vollkommen unangebracht nackter Haut gibt. Warum ein Metzger in der Hauptstadt mit einer bestrapsten Dame auf dem Lieferauto werben muss, erschließt sich mir einfach nicht.

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