Pink Viagra

Frigidität oder sexuelle Gefühlskälte ist ein Problem für Millionen Frauen: Sie haben keine Lust auf Sex und empfinden keinen Spaß am Geschlechtsverkehr.¹

Und deswegen kommt aus den USA jetzt das sogenannte „Pink Viagra“ auf den Markt – eine Luststimulanz, die als Anti-Depressiva entwickelt wurde und bei Luststörungen dauerhaft eingenommen werden muss, damit frau wieder Lust empfinden kann.

Wieviele Ehemänner werden ihre lustlose Frau dazu drängen, dieses Mittel zu nehmen, nur weil der Sex in der Ehe eher so mau oder gar nicht mehr existent ist? Wieviele Ehefrauen werden dieses Mittel aus vorauseilendem Gehorsam nehmen, in der Hoffnung, wieder mehr Lust zu haben und damit ihre Ehe zu retten? Wird daraus ein neues Gruppenzwangding?

Eine Freundin von mir, Ende 30, verheiratet und zwei Kinder, sagte mir mal, ihre Lust sei vollkommen weg gewesen, als die Kinder kamen und jedes Fitzelchen Lebensenergie aufsaugten wie ein Schwamm. Wieder kam die Lust, als die Kinder größer wurden, und sie sich mehr und mehr wieder als sexuelle Frau sehen durfte und konnte. Als sie sich selbst wieder erkannte und zuließ, mehr zu sein als „nur“ Mutter. Sondern eine freie, sexuell begehrte und begehrende Frau. Ihren Mann hat sie kurzerhand, sehr zu seiner Freude, mit auf diesen Weg genommen.

Es mag sicherlich krankhafte Lustlosigkeit geben, für die diese Pille ein echter Helfer ist. Meine Sorge ist nur, dass mit dieser Pille, wie schon beim Viagra, mehr Schindluder getrieben wird, als es sinnvoll ist. Ich würde behaupten wollen, dass die Unlust in Beziehungen hausgemacht ist und die Probleme anderer Lösungen bedürften, als ein Antidepressiva zu schlucken und sich die eigentlichen Probleme wegzuvögeln.

Ich werde, so denke ich, kein Pink Viagra benötigen – meine Lust ist ein keckes Ding und bedarf keiner zusätzlichen Stimulanz durch hormonelle Botenstoffe.

Aber noch eine kleine Bemerkung am Rande, vielleicht zum Nachdenken: Singlefrauen jammern gerne, dass sie niemanden für’s Bett haben und gerne mal wieder ordentlich rangenommen werden wollen. Ich habe keine Singlefreundin, die mal sagen würde: „Sex? Geh weg, ich hab keine Lust.“ Das ist ein Phänomen, dass ich eher bei unseren Paaren im Freundeskreis verorten würde – wie gesagt, nicht bei allen. Warum also ist die Luslosigkeit eher bei längerjährigen Paaren verortet? Und soll da wirklich eine Pille der Heilsbringer sein?

Was weiß denn ich. Ich bin ja nur die kleine, dumme Cosmo. Aber deswegen stelle ich ja Fragen. Da können Sie dann ja jetzt mal für mich nachdenken 🙂

¹ aus: FAZ, „Viagra für Frauen erhält Zulassung“

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7 Gedanken zu “Pink Viagra

  1. Tilman Krause schreibt:

    Wie wahr. Sehe ich auch so, dass Pillen nicht Lust-erzeugend sind. Obgleich noch nicht ausprobiert.
    Nach meiner Erfahrung ist Lust nicht so machbar, so manipulierbar wie manch einer es gern hätte.

  2. Antaeus schreibt:

    Das Thema ist kompliziert und wer ständig Lust empfindet, kann sich nicht vorstellen, dass diese auch mal völlig weg sein kann, für längere Zeit.
    Dass Depressionen und Unlust oft zusammen hänge, ist sicher kein Geheimnis mehr und um hier die Unlust zu bekämpfen, müsste man zuerst an der Depression arbeiten.
    Auch Zukunftsängste, Unsicherheit wie es weiter gehen wird, das sind gar keine guten Lustbringer.
    Stress im Beruf, Verantwortung für jeden Scheiß und davon auch noch viel, kein Wunder wenn eher Kuschelstimmung aufkommt als Lust.

    Es entstehen scheints Hormone im Körper, die lustfeindlich sind und Hormone die lustfördernd sind, werden unterdrückt (Männer wissen das vom Testosteron).
    Also was spricht dagegen, dass man mit Einnahme einer Pille wieder Lust empfinden kann?
    Ich habe von Sportlern erfahren, dass sie zu Dauervöglern geworden sind, weil sie Testosteron zu sich genommen haben und ihre Freundinnen bald streikten. Dauerlust ist also durchaus machbar mittels Hormonen.
    Diese Pille geht wohl einen Zwischenweg, sie fördert die Hormonbildung im Körper die für die Lust da sind. Wären da nicht die Nebenwirkungen, wäre es ja eine tolle Sache.

    Andersherum gesehen: Wer von den Aktiven kennt das nicht, dass man nach dem Orgasmus meistens (oder manchmal) für eine Weile keine Lust mehr hat?
    Das liegt daran, dass beim oder nach dem Orgasmus die Lusthormone abgebaut werden.
    Nun stelle sich Mann und Frau vor, dass diese Lusthormone ständig abgebaut werden würden?
    Und schon haben wir den Fall von Lustlosigkeit.
    Da kommt noch obendrein was dazu, was oft unterschätzt wird: Der Fortpflanzungstrieb.
    Sind erst einmal Kinder da, ist es nicht mehr wichtig, sich fortzupflanzen, denn das ist bereits geschehen, also fehlt dieser Antrieb.
    Bei Männern ist der Antrieb sehr stark, sie möchten sich gerne und oft und bei jeder hübschen, jungen und gebärfähigen Frau fortpflanzen, obwohl ihnen das oft nicht bewusst ist.
    Auch bei der eigenen Frau macht das Spaß, denn steckt der eigene Braten in der Röhre, kann schon kein Fremder mehr rein.
    Auch Single-Frauen haben noch nicht das Männchen für die Aufzucht der Brut gefunden, also stellt der Körper ständig Hormone bereit, um sie willig zu machen.
    Der Eisprung tut sein übriges…
    Das sind ganz natürliche Vorgänge, die wir Menschen mit dem Verstand gerne weglügen würden.
    Und sowieso, der Verstand steht einem manchmal (oft) im Weg, wenn es um Sex geht.

    Was Single-Frauen angeht:
    Sie sind die dankbarsten Opfer für geilen Sex, machen in ihrer Verzweiflung und ihrem Hormondruck fast alles mit. Mann kann sie alle haben, so er es denn geschickt anstellt und lässt er sie ein wenig zappeln, machen sie sogar das mit, was sie sich vorher eigentlich nicht vorstellen konnten. Für alles offen eben.
    In Wirklichkeit soll ihr Kopf gefickt werden, nicht ihr Körper. Ist Mann DA drin, darf er überall (mit allem) rein.
    Ich frage mich, ob es die Hormone sind, die den Kopf beeinflussen oder der Kopf die Produktion dieser Hormone anfeuert?
    Je mehr Single, desto schlimmer!

    Man darf hier gar nicht aufzählen, was Frau so alles macht wenn sie alleine ist und viele Möglichkeiten um sich herum sieht. Ganz wichtig ist, nichts tun was euch Frauen auf Dauer schädigen kann. Beißt lieber in die Bettdecke und macht was harmloseres.
    Und denkt dran, Single-Männern geht es ganz ähnlich und sie würden sich wünschen, sie hätten eine Single-Frau die sich traut, ihre geheimsten Wünsche zu äußern.
    Lieber einen schockierten Mann hinterlassen als ständig das Gefühl zu haben, etwas verpasst zu haben.
    Sucht euch nur keinen Psychopathen.

    Und wenn die Lust schon ein keckes Ding ist, nützt es aus und lasst es raus und verpasst keinen Orgasmus im Leben.

  3. Urs Sprüngli schreibt:

    Ohje. Menschen, die Hoffnung in diese Pille setzen, zu sagen, dass du sie nicht brauchen wirst, ist wenig hilfreich. Die taz-Redakteurin machts aber auch nicht besser. Die hat den Sinn der Pille nicht verstanden. Stellt euch einfach mal vor, dass es Paare gibt, deutlich unter 50, die jahrelang keinen Sex haben, ohne dass darüber Einvernehmen besteht. Dass die Situation den Mann in eine Depression treibt, er sich aber trotzdem nicht von der Frau trennen will, weil Kinder, Liebe oder sonst irgendein Scheiß ihn an sie binden.
    Wenn man so einem Paar sagt: der Hormonhaushalt der Frau ist aus dem Gleichgewicht. Hintergrund ist sowas ähnliches wie eine Depression. Und hier haben wir ein spezielles Antidepressivum, das den Hormonhaushalt so beeinflussen KANN, dass die Lust zumindest ein bisschen zurückkommt. Dann will das Paar keine Sprüche von wegen „Probleme wegvögeln“ „Man muss nicht jeden Tag Lust haben.“ hören.

    So. Ich finde die Pille auch nicht gut. Wenn eine Depression der Hintergrund ist, dann sollte man die direkt angehen. Wenn die Frau jahrelang keine Lust hat, dann sollte man als Paar seinen Frieden damit machen. Und als Mann muss man sich überlegen, was man will.
    Been there, done that. Hier: Frieden und totale Freiheit, meine Lust auf meine Art zu leben. Noch bin ich offensichtlich attraktiv genug, nicht für Sex bezahlen zu müssen.

  4. wolfdieter schreibt:

    Irgendwo hab ich gehört, dass die rosa Pille a) 4 Wochen eingenommen werden muss, und b) dass sie sich mit Alkohol nicht verträgt.

    Mich betrifft’s zwar nicht, aber: oh je … macht das Leben dann noch Spaß?

  5. jeanette schreibt:

    Man sollte es nicht so negativ sehen, es kann für Frauen die da ein Problem haben eine große Erleichterung sein. Es scheint noch nicht ganz ausgereift, was nicht selten ist bei der ersten Version eines Medikaments. Kopfschmerzmittel früher? Ohje, der Magen! Und die Leberschäden. Heute? Kein Problem. Die Nebenwirkungen sind auch nicht schön, was man da liest. Aber wer wirklich unter Frigidität (das ist nicht, was die meisten darunter verstehen) leidet ist vielleicht dankbar es ausprobieren zu können und nimmt auch ein paar Nebenwirkungen in Kauf für ein normales Leben.

  6. Motsch schreibt:

    Oha,
    das ist ein wirklich schwieriges Thema, die Lustlosigkeit, insbesondere bei länger verheirateten Paaren mit vielleicht auch kleinen Kindern.
    Aus meiner Sicht sind es oft die mangelnden Gelegenheiten, eben weil das Leben so eingetaktet und durchgeplant ist. Die lieben Kleinen rauben dann auch noch die Gelegenheiten am frühen Morgen.
    Und…. bekommt die Frau genug Aufmerksamkeit, wird sie von ihrem (meist immer zur Verfügung stehenden) Mann als Frau wahrgenommen, als Individuum mit einem Sexleben? Ist sie nicht vielmehr meist die Mutter, Köchin, Büglerin, Putzfrau und Kinder-zu-Schule-Bringerin? Wie oft nimmt sie der Mann aus dem Alltag zu einem echten Date? Wie oft entsteht überhaupt eine erotische Atmosphäre?
    Sicher, es mag da wirklich pathologisch relevante Depressionen geben, bei denen das von mir oben Beschriebene nicht helfen wird.
    Vielleicht ist es beim Pink Viagra auch einfach nur so, daß allein dessen Einnahme die Gedanken wieder Richtung Sex steuert, bei beiden Partnern und wenn man es dann schon genommen hat, auch die Früchte ernten möchte. Nur allein damit wäre schon vielen Paaren geholfen.

    Und längst nicht alle Frauen haben ihre traditionelle Rolle verlassen, so wie Cosmo und nehmen sich das, was sie möchten und worauf sie Lust haben. Für viele Männer und auch Paare ist das eine Rolle, die außerhalb ihrer Vorstellung liegt und dadurch zum Selbstschutz negativ besetzt wird, nach dem Motto: “ Wie kann man nur….“ Im Übrigen ist es das, was für mich die Emanzipation ausmacht, auch wenn dabei langfristig die Altersstruktur unseres Landes leiden wird 😉 .
    Aus meiner Sicht jedenfalls dürfte bei Pink Viagra, die Tatsache an sich, daß man sich mit Sex und Lust beschäftigt, einen nicht unerheblichen Teil der Wirkung ausmachen.

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